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Kategorie: Mein Umgang mit der Fahrangst
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Möbeltransporter, Müllwagen

Elisabeth verschafft sich Ruhe im Verkehrsgetümmel

Vorbemerkung: Ende November hat uns Elisabeth zwei Berichte Ihrer ersten Erfahrungen aus Stuttgart geschickt. Eigentlich sollte daraus ein richtiger Erlebnisbericht werden, aus beruflichen Gründen hat das nicht ganz geklappt. Doch was sie geschrieben hat, ist für viele Angsthäsinnen sicher sehr interessant. Sie schafft es immerhin, sich in verzwickten Situationen mehr Ruhe zu verschaffen. Und das ist wirklich die Quintessenz der Angsthasenbetreuung.

Am 07.11.2014 18:10, schrieb Elisabeth:

Hallo Herr Müller,
 
nun wollte ich mich doch kurz zwischenzeitlich melden. Ich habe Ihnen ja einen Erlebnisbericht versprochen. Noch ist er nicht geschrieben und gerne möchte ich mir damit auch noch etwas Zeit lassen damit ich noch einige Wochen zusammenfassen kann.

Erlebnisbericht aus Stuttgart

Vorab nur so viel: Seitdem ich nun wieder in Stuttgart bin, bin ich fast jeden Tag gefahren. Erinnern Sie sich? Einer meiner Wünsche war zufahren, dann wann ich es will und nicht dann wenn es meine Angst zu lässt. Dieser Wunsch hat sich erfüllt und erfüllt sich weiterhin mehr und mehr.

Seitenstraßen, dichter Verkehr

Ich fahre mehr und mehr zu Zeiten wo viel los ist. - Jetzt zur Zeit des Bahnstreiks sind die Straßen richtig voll und ich bin trotzdem unterwegs!
Natürlich ist noch nicht alles in Butter. Der Spurwechsel ist eine Baustelle an der ich noch arbeite. Außerdem ist nicht jeder Tag gleich harmonisch. - Aber ich bin jetzt guter Dinge, dass alles klappen wird. Dazu schreibe ich dann mehr in meinem Erlebnisbericht.
 
Vorab eine kleine Geschichte, die ein déjà-vu Erlebnis hervorgerufen hat zu den Erfahrungen in Berlin. Erinnern Sie sich an den Möbeltransporter in der Seitenstraße bei dem ich nicht wusste wie ich an diesem nun vorbei komme? So eine Situation hatte ich diese Woche. Ein LKW stehend auf meiner Spur, der es sich gerade richtig gemütlich gemacht hat (der Fahrer hatte noch zwischenzeitlich den Rückwärtsgang eingelegt, so dass für mich erst nicht ersichtlich war, was nun noch passiert). 
 
Beim anschauen der Situation und überlegen, wann ich da am sichersten vorbei ziehe (es war ja klar: Der LKW wird sich die nächste Zeit nicht großartig weg bewegen), sehe ich von der anderer Seite ein Müllwagen kommen, der die Mülltonnen leert.  Ich habe mich daran erinnert was Sie mir damals gesagt haben und habe die Lücke abgewartet (also rote Ampel von der Gegenseite, so dass mir weiter nichts entgegen kommen konnte, sowie darauf geachtet, dass der Müllwagen mit den Mülltonnen beschäftigt ist) und bin dann in aller Ruhe durch die Lücke, die sich mir da angeboten hat. - Da hat sich im übrigen es sehr bewährt, dass wir sehr häufig durch die Straße mit der Bäckerei gefahren sind. Es war ähnlich eng.
 
Blick auf Stuttgart, vorne U-Bahn
 Stuttgart U-Bahnhof, Straßenszene
 
Ich bin froh, dass wir die Situation in Berlin hatten. Dadurch, dass ich da doch ziemlich hilflos war, habe ich damals eine sehr gute Stratgie von Ihen mit auf dem Weg bekommen, die mir jetzt sehr geholfen hatte. Ich war jetzt so was von ruhig und gelassen. Darüber war ich am meisten überrascht.
 
Mein Mann lässt wieder grüßen und ausrichten, dass meine Erfahrungen bei Ihnen, ihm (25 Jahre aktives Autofahren) auch etwas gebracht hat. Er lässt jetzt bei Auffahrten mehr Platz zum vorherfahrenden Auto.  Dadurch ist für ihn es wesentlich stressfreier, wenn sich ein Auto neu auf seine Spur einsotiert (Ziemlich umständlich erklärt, ich hoffe Sie verstehen jedoch was ich meine).
 
Wenn nichts dazwischen kommt, nutze ich Ende November meinen Urlaub und verfasse den Erlebnisbericht. 
 
Viele Grüße aus dem Schwabenland
Elisabeth

Am 19.11.2014 18:10, schrieb Elisabeth:

Hallo Herr Müller,

Erlebnisbericht aus Stuttgart, Stresssituationen:

mein schlechtes Gewissen plagt mich schon. Ich hatte Ihnen schon längst mein Erlebnisbericht versprochen und bis heute bin ich noch nicht dazu gekommen.
 
Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass ich weiter dran bin. Ich habe nicht aufgegeben auch wenn zeitweise das Teufelchen auf meiner Schulter wieder Oberwasser bekommen hatte. Und ich ziemlch verzweifelt war.
 
Die Angst ist, wie Sie schon sagten, nie ganz weg. Und wenn ich glaube jetzt wird es besser, erfreut sich das Teufelchen an seiner Wiederauferstehung. - Insbesondere dann, wenn ich dann mal wieder angehupt werde, weil ich vielleicht nicht schnell genug die Kreuzung gequert habe oder zu lange gewartet habe um in den Kreisverkehr zu fahren oder zu langsam eine Straße gefahren bin. 
 
In den ersten Monaten nach Berlin bin ich jeden Tag gefahren - und wenn es nur eine kleine Strecke war. Das führte dazu, dass meine Angst sich verschoben hat. Ich stelle mir nicht mehr vor was passieren könnte, sondern ich fahre und fange erst dann an mir zu überlegen was mache ich, wenn die ungewöhnliche Situation vor mir ist. Gewisse Situationen haben wir ja geübt, so dass viele Situationen für mich überhaupt keine Stresssituation mehr sind: z.B. der Bus der die rechte Spur blockiert, die LKWs die die Straße zu parken, entgegenkommende Autos in einer engen Straße, ein vollgeparktes Parkhaus oder auch eine vielbefahrene Straße mit Stau.

Fahrpause

Dann hat mich mein Beruf so eingespannt, dass die ständige Auseinandersetzung mit meinen Ängsten und das nicht gerade ruhige Berufsleben in der Vorweihnachtszeit mich an meine Belastungsgrenze gebracht hat. - Ich habe mir dann mal eine Woche Pause gegönnt. Diese Ruhewoche hat mich zu vielen Erkenntnissen gebracht. Dazu gehörte auch, dass diese Ruhewoche fahrtechnisch mich nicht zurückgeworfen hatte. Ich konnte danach noch immer alles das was Sie mir beigebracht hatten. Die Überwindung nach der Woche sich dann wieder ans Lenkrad zu setzen war das Schwierigste. Jetzt habe ich damit momentan kein Problem. Auch wenn ich ein paar Tage nicht gefahren bin, ist für mich die Hemmschwelle zu fahren relativ niedrig.
 
Der Spurwechsel ist immer noch ein Thema. Bei einer vollen Straße ist das immer noch nicht meine Welt. Da habe ich noch meine Herausforderung, die mich noch etwas begleiten wird.
 
So komisch es sich jetzt für Sie anhören mag: Autofahren fängt an mir Spaß zu machen. Je flüssiger ich werde und desto mehr ich die Situationen kenne, desto mehr suche ich neue Fahrstrecken, um zu testen wie diese sich wohl fahren lassen. 
.....und das hatten Sie ja auch schon festgestellt: Geschwindigkeit ist nicht mein Problem :-)
 
So jetzt mache ich erstmal keine weitere Versprechung wann ich den Erlebnisbericht liefern werde.
Schauen wir mal, wann es passt.
 
Viele Grüße
Elisabeth