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Kategorie: Mein Umgang mit der Autobahnpanik
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 "Panik - aber ich fand die Situation nicht mehr ausweglos"

Zweiter Bericht Ilonas: Angstkontrolle bei der Autobahnfahrt. Urlaubsfreude

Vorbemerkung und Kommentar

Ilona hat uns schon einmal einen Bericht übr ihre eigenen Fahrten nach der Betreuung in der Angsthasenfahrschule geschickt: Erster Bericht Ilonas

 Nun hat sie fleißig weiter geübt und netterweise einen weiteren Bericht geschickt, über eine Urlaubsfahrt ins Erzgebirge mit ihrem Mann. Dieser hat regen Anteil an der Angstkontrolle genommen und konnte ihr während der Fahrt einige Hinweise geben. Entscheidend war, dass sie nun das Gefühl hatte, immer einen Ausweg zu sehen, wenn die Panik sich meldete.

Am 13.06.2015 schrieb Ilona:

Hallo, Herr Müller, wir waren noch im Urlaub, als Ihre Email hier eintraf, so dass ich leider nicht so rechzeitig anworten konnte, um Sie noch vor dem Angsthasentreffen mit meinem Erfahrungsbericht zu versorgen. Aber sicher ist meine Nachricht ja auch für den nächsten Angsthasentermin nützlich. Beim Autofahren geht es mit jetzt ganz gut. Mit der Fahrt in den Urlaub - ca. 300 km - bin ich sehr zufrieden gewesen. Ich bin die Autobahnstrecken selbst gefahren, anfänglich mit recht großer Aufregung, aber zunehmender Strecke wurde ich ruhiger.

Ilona bei einer Autobahnfahrt im eigenen Wagen. Fahrlehrer fährt hinten rechts mit
Ilona bei einer Autobahnfahrt im eigenen Wagen. Fahrlehrer fährt hinten rechts mit

Zwischendurch hatte ich ein paar Momente, in denen ich das Gefühl hatte, die Panik kommt wieder durch. Aber ich fand die Situation nicht mehr ausweglos. Das war der entscheidende Unterschied zu früher.

Über die Angst reden

Hilfreich war, genau in diesen Situationen über die Angst zu reden. Mein Mann hat mich wie immer gut dabei unterstützt, z.B. gefragt, wo ich gerade bin auf der Skala von 1 bis 10. Genauso, wie wir es in der Fahrschule auch gemacht haben. Kurzzeitig war ich bei 5 - 6, aber es ging nach ein paar Minuten wieder besser.

So bin ich ganz  bewusst nicht auf einen Parkplatz gefahren, in der allergrößten Not wäre ja der Randstreifen da gewesen [Anmerkung F.M: Ilona meint den Seitenstreifen der Autobahn, der für Pannen, auch menschliche, gedacht ist]. Wir legten etwa alle halbe Stunde zum Entspannen und Durchatmen eine Pause ein.

Langsame Fahrt

Mit der Geschwindigkeit bin ich anfänglich bei ca. 90 km/h geblieben, später dann etwas mehr. Wenn es sehr übersichtlich war, konnte ich auch gut Lkw überholen. Ansonsten habe ich mich in der rechten Spur am besten aufgehoben gefühlt und dabei festgestellt, dass mit dieser Fahrweise nicht allein bin. Es gibt offensichtlich noch mehr Leute, die sich in der rechten Spur mit gemäßigtem Tempo fortbewegen.

Ilona mit Partner, glücklich im Erzgebirge
Ilona mit Partner, glücklich im Erzgebirge
Urlaubsfreude, schöne Ziele

Die größte Motivation war allerdings der bevorstehende Urlaub. Ich stelle mir immer wieder vor: "Wenn ich diese Fahrt schaffe, habe ich ein großes Stück Freiheit wiedergewonnen und für uns die Chance, weitaus mehr Möglichkeiten für schöne Unternehmungen zu haben, also ohne Auto!"

Inzwischen bin ich auch andere Autobahnstrecken gefahren und werde dies in Zukunft ganz bewusst weiter so halten. Vorher überlege ich mir, welches Ziel mich dabei besonders motiviert. Z.B. ein schönes Erlebnis oder einfach mehr Bequemlichkeit als bei einer umständlichen Bahnfahrt.

Es erfordert schon etwas Überwindung, sich dem Problem immer wieder zu stellen, aber Erlebnis, es wieder geschafft zu haben, ist einfach verlockend.

Im Anhang sende ich Ihnen das versprochene Foto von unserem Urlaubsort. Wir hatten prima Wetter und Raps und Löwenzahn standen in voller Blüte. So konnten wir Erholung finden und die Natur genießen.

Ich wünsche allen Ihren Angsthäsinnen/-hasen viel, viel Mut beim Üben. Ihnen wünsche ich weiterhin alles Gute, Gesundheit und noch viele erfolgreiche Angsthäsinnen.

Ilona


Am 27.05.2015 um 12:03 schrieb Frank Müller:
liebe Ilona, Sie haben ja vor ungefähr einem Monat die Betreuung bei mir ordentlich abgeschlossen. Mich interessiert, ob es Ihnen weiter gut geht beim Fahren, ob Sie mit der Angst nach wie vor erfolgreich umgehen, d.h. sie kontrollieren und dämpfen?
Es wäre schön, wenn Sie mir kurz darüber berichten könnten. Am Sa habe ich Angsthasentreff. Da würde ich Ihren Bericht gleich vortragen, denn das interessiert die Angsthasen sehr.
Alles Gute für Sie und vielen Dank Frank Müller